H&H #008 – KW 04/20 – Weltwirtschaftsforum, EZB Pressekonferenz

Weltwirtschaftsforum in Davos

Zum 50. Mal sind Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zusammengekommen, um über aktuelle Fragen und Herausforderungen zu diskutieren. Das mit Abstand größte Thema war in diesem Jahr der Klimaschutz. Erstmals in der Geschichte des Weltwirtschaftsforums sind im Weltrisikobericht fünf Klimathemen als zentrale Herausforderungen aufgelistet.
Mit dem Klima und den damit verbundenen Herausforderungen wollte Donald Trump allerdings nichts zu tun haben und beschränkte sich in seiner Rede darauf, eine Lobeshymne auf die wirtschaftliche Situation in den USA zu halten.
Auch einige bekannte Ökonomen haben an dem Forum teilgenommen. Unter anderem der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, der feststellt, dass die Ausführungen von Donald Trump auf dem Forum nichts mit der Realität zu tun hat. Stiglitz reagiert auf die Rede mit einem zweiseitigen Faktencheck, den er vor Ort austeilt. (Verlinkung auf einen Twitter-Beitrag mit dem Faktencheck unten in den Quellen).
Einen interessanten Einblick in die Situation in Amerika bietet Robert Shiller, ebenfalls Wirtschaftsnobelpreisträger in einem Interview mit dem Magazin Spiegel. Auch er ist zwar überzeugt, dass die Behauptung Trumps, den größten Boom in der Geschichte der USA geschaffen zu haben, vollkommen haltlos ist. Was Trump seiner Meinung nach allerdings kann ist, Geschichten zu erzählen und gute Stimmung zu verbreiten. Alleine dadurch sei er eben auch teilweise mitverantwortlich für die aktuelle Aufschwungphase in den USA.

Für die Fondsbranche waren vor allem zwei Themen interessant: Die Nachhaltigkeits-Debatte und damit die Bemühungen von Blackrock um einen weiteren Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. 100 Millionen Dollar will der Asset Manager zu einem privaten Beteiligungsfonds für Klimaschutzprojekte beisteuern. Außerdem ist das World Economic Forum auch immer eine Art Trendmesser für neue Entwicklungen in der Technologiebranche. Dieses Jahr ging es vor allem um die Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz. Es scheint, als würden KI-Lösungen langsam in einigen Branchen marktreif. Laut Experten sollen KI-Lösungen bald speziell für die Erkennung von Brustkrebs für viele Patienten verfügbar sein. Da wird automatisch das Interesse für die bereits sehr gut laufenden KI-basierten Fonds größer.

EZB Pressekonferenz

Christine Lagarde hat ihre mit Spannung erwartete, zweite Pressekonferenz seit ihrem Amtsantritt als neue EZB-Chefin absolviert. Überraschungen sind allerdings ausgeblieben, denn am Ende kam es lediglich zur Verkündung von zwei konkreten Entscheidungen, die aber schon im Vorfeld erwartet worden waren: 1. Leitzins bleibt bei null Prozent und 2. Der Zins für Einlagen von Geschäftsbanken bei der EZB bleibt bei minus 0,5 Prozent. Damit ist zumindest klar, dass man sich auf eine Fortsetzung der “Niedrigstzins”-Phase wird einstellen müssen. Wörtlich erklärte Lagarde dazu: „Die Zinsen werden sich erst dann ändern, wenn die Inflation in die Nähe von zwei Prozent steigen wird.“Damit ist auch klar: Die EZB wird ihr Anleihenkaufprogramm unverändert lassen und weiter Anleihen im Wert von 20 Milliarden Euro pro Monat aufkaufen. Alles nichts wirklich Neues, der Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hat das kommentiert mit dem Hinweis, dass die EZB in einer Sackgasse stecke, weil es auf lange Sicht unmöglich erscheine, den Zins sozusagen zu reanimieren. 

Mit etwas Neuem konnte Lagarde dann am Ende doch noch aufwarten, allerdings lediglich in Bezug auf die Überprüfung der Notenbank-Strategie insgesamt. Schon im Vorfeld hatte die EZB-Chefin erklärt, man werde bei dieser Überprüfung „jeden Stein umdrehen“. Bis zum Jahresende soll diesr Prozess dauern. Zum einen soll die Notenbank sozusagen grüner werden, ökologische Kriterien sollen künftig stärker in der Anlagepolitik berücksichtigt werden. Außerdem hofft die EZB-Chefin, mit einer klareren Sprache die Menschen besser zu erreichen. Die meisten Deutschen wird das kaum beeindrucken oder begeistern. Die wollen einfach nur ihren Zins zurück, was Lagarde ihnen nicht geben kann. Was ihr natürlich prompt Kritik eingebracht. Beobachter bemängelten, man könne sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Lagarde die wirklich wichtigen Themen mit dem Hinweis auf die groß angelegte Strategie-Überarbeitung erst einmal weit in die Zukunft schiebt

Wochenausblick

Das nächste Großevent steht an: Am 29. und 30. Januar findet in Mannheim zum 19. Mal der FONDS professionell KONGRESS statt. Ohne Zweifel ein Must-Event für Investmentprofis mit Starrednern wie Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, aber auch anderen Prominenten wie Dagmar Wöhrl, Lothar Matthäus, Wolfgang Bosbach und Harald Schmidt, die darüber diskutieren werden, wie sie ihr eigenes Geld anlegen. Außerdem ein regelrechtes Who is Who der Fondsbranche mit: Dachfonds-Pionier Eckhard Sauren, Ariel Bezalel von Jupiter Asset Management, Bruno Crastes (Alternative-Experte von H2O), Olgerd Eichler von Mainfirst, DWS-Urgestein Klaus Kaldemorgen sowie Bert Flossbach, Jens Erhardt, Hendrik Leber, Michael Hasenstab, Luca Pesarini wie auch Frank Fischer, und nicht zu vergessen Mike Schoenhaut von J.P. Morgan Asset Management. Von daher auf jeden Fall ein Event, das Fonds-Interessierte auf keinen Fall verpassen dürfen. 

Sonstige Termine:

  • Montag bis Donnerstag: Feiertage wegen Frühlingsfest in China
  • Montag: ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland
  • Mittwoch Abend (20h00) Zinsentscheidung der Fed
  • Donnerstag: Zinsentscheidung und Zahlen zum Inflationsbericht der Bank of England
  • Freitag: Neueste Zahlen zur Inflationsentwicklung in der Eurozone

Quellen