H&H #005 – KW 10/20 – Leitzinssenkung der Fed, Druck auf EZB und Fiskalpolitik wächst

Weltfrauentag

Im Zuge des Weltfrauentags möchten wir gerne auf die Initiative der Fondsfrauen hinweisen: Ein Karrierenetzwerk zur Förderung und Gleichstellung von Frauen in der deutschsprachigen Investmentfondsindustrie. Die drei Gründerinnen Anne Connelly, Anke Dembowski und Manuela Fröhlich leisten eine bemerkenswerte Arbeit, bieten Netzwerktreffen, ein Mentoring Programm, eine Job-Plattform und vieles mehr.

Die Märkte

Die Unsicherheit an den Märkten ist geblieben, abzulesen an einer nach wie vor hohen Volatilität insbesondere an den Aktienmärkten. Da kann auch die Tatsache kaum besänftigen, dass die Kursverluste insgesamt deutlich geringer ausgefallen sind als in der Vorwoche. Schwer nach unten gedrückt hat es den Ölpreis, der knapp 10 Prozent verloren hat und inzwischen wieder auf einem Niveau von gut 45 USD notiert. Aber es gab auch Gewinner: das waren einmal mehr die Rentenfonds, die frei nach der simplen Weisheit “Zinsen runter, Kurse rauf” zum Teil deutlich profitiert haben von den weiter gesunkenen Renditen vor allem bei länger laufenden Anleihen. Und nicht zu vergessen der Goldpreis, der in der vergangenen Woche ebenfalls deutlich zugelegt, seit Jahresbeginn gerechnet ist das gelbe Edelmetall sogar um gut 10 Prozent gestiegen. 

Der Zinssatz von zehnjährigen Staatsanleihen in Deutschland liegt inzwischen auf einem Tiefstwert von minus 0,73 Prozent. Noch drastischer fiel der Rückgang bei US-Staatsanleihen aus, die zweitweise auf einem Rekordtief bei unter einem Prozent angekommen waren.

Auswirkungen auf Assetklassen

Die Auswirkungen auf die verschiedenen Fondsgruppen bzw. Assetklassen seit Jahresanfang sind durchaus unterschiedlich. Gut durchgekommen sind zum Teil natürlich Rentenfonds, die nicht nur von der Flucht in vermeintlich sichere Häfen profitiert haben, sondern auch von neuen Rekorden an der Zinsfront. Getreu dem Paradigma “Zinsen runter, Kurse rauf” ging es für diese Kategorie, der man eigentlich nicht mehr wirklich viel zugetraut hatte, zum Teil noch mal steil nach oben mit der Wertentwicklung.

Gut aus der Affäre gezogen haben sich zum Teil auch diversifizierte Manager der Kategorien Mischfonds, Balanced Mandate und Multi Asset Fonds. Die haben die Verluste in den ersten zwei Monaten zum Teil deutlich begrenzen können. Ein auf absoluten Ertrag ausgerichtetes Konzept wie der DJE Zins & Dividende von Jan Ehrhardt verliert nur 2 Prozent, während es an den Aktienmärkten um zwölf Prozent und zum Teil noch tiefer nach unten geht. Auch ein auf regelmäßigen Ertrag abzielende Strategie wie der Global Income Fund von JP Morgan AM kann den Wertrückgang für die Anleger auf 3,5 Prozent statt dem vierfachen Verlust begrenzen. Einmal mehr zeigt sich hier, dass Diversifikation sozusagen der einzige “Free Lunch” ist, auf den man nicht nur im Fondsbereich setzen kann.
Das ist natürlich gleichzeitig eine klare Absage an ein wie auch immer geartetes Market-Timing, das – abgesehen von einzelnen Glücksfällen – in der Regel immer in die Hose geht.
Schwer gebeutelt sind zum Teil die auf Aktieninvestments spezialisierten Fonds. Das kann kaum verwundern, denn so schnell können selbst versierte Fondsmanager nicht reagieren als dass sie in der Lage wären, einen derartig starken und vor allem schnellen Kursrutsch zu konterkarieren.

Alles zusammengenommen spricht die aktuelle Stimmungslage an den Märkten allerdings nicht gerade dafür, dass man sich auf eine ruhige Woche wird einstellen können. Die Unsicherheit unter den Marktteilnehmern ist nach wie vor extrem hoch, woran sich auch in der vor uns liegenden Woche angesichts der nach wie vor ungelösten Probleme mit dem Corona-Virus wohl nicht viel ändern wird. 

Zinssenkung der US-Notenbank Fed

In der vergangenen Woche hat die Fed überraschend den Leitzins um einen halben Prozentpunkt gesenkt. Er liegt damit jetzt zwischen einem und 1,25 Prozent. Sie reagiert damit auf Sorgen der Anleger wegen des Coronavirus und stößt prompt auf Kritik. Viele Marktteilnehmer sprechen von einem verpufften Effekt. Larry Summers, Harvard-Ökonom, ehemaliger US-Finanzminister und zeitweise auch Kandidat für die Fed-Leitung kritisiert, die Fed riskiere, die Marktteilnehmer mit ihrem Zinsschritt zu ängstigen. Er wirft der Fed außerdem vor, ihre Munition verschwendet zu haben. Andere Stimmen wie Anders Svendsen, Chef-Analyst bei Nordea vertreten hingegen die Meinung, ohne die Fed seien die Märkte noch stärker eingebrochen.

Der Druck auf die EZB wächst – viel Spielraum hat sie nicht

Der US-Ökonom und Berater des Allianz Konzerns Mohamed El-Erian betont in diesem Zusammenhang: „Wenn wir jetzt Mitleid mit der Fed haben, die in eine Situation gekommen ist, wo sie nur verlieren konnte, dann sollten wir noch viel mehr Mitgefühl mit der EZB haben.“ Denn das Pulverfass der EZB ist nahezu leer. Es ergibt sich die Frage, welche Möglichkeiten der Notenbank überhaupt noch bleiben.

  1. Zinssenkung

Es ist das klassische EZB-Instrument, allerdings liegt der Einlagenzins in der Euro-Zone bereits bei minus 0,5 Prozent. Trotzdem erwarten viele Marktteilnehmer eine weitere Senkung des Zinses um 0,1 Prozentpunkte.Dafür spricht, dass dies den Euro, der in den vergangenen zwei Wochen im Vergleich zum Dollar aufgewertet hat, etwas schwächen würde. Was gegen eine weitere Zinssenkung spricht, das sind wachsende Zweifel daran, ob eine solche Maßnahme der Wirtschaft wirklich noch helfen würde. Eine ganze Reihe von Ökonomen geht davon aus, dass inzwischen die negativen Effekte einer weiteren Zinssenkung schwerer wiegen als mögliche positive Impulse, die davon ausgehen könnten.

  1. Gezielte Kredite

Ein weiteres Instrument sind gezielte längerfristige Refinanzierungsgeschäfte. Damit können sich Banken, die bestimmte Kriterien erfüllen, über dieses Programm zum Einlagenzins von minus 0,5 Prozent Geld leihen. Das Problem hier: Das Risiko bleibt bei den Banken, die diese Kredite weitergeben an solche Unternehmen, bei denen nicht klar ist, wie lange sie unter Produktionsausfällen leiden.

  1. Zusätzliche Anleihenkäufe

Und schließlich könnte die EZB als dritte Maßnahme den Ankauf von Anleihen wieder ausweiten. Bereits seit dem vergangenen November kauft sie wieder für monatlich 20 Milliarden Euro zusätzliche Papiere wie Staatsanleihen, Corporate Bonds, aber auch Pfandbriefe, nachdem sie bis dahin lediglich auslaufende Papiere im Bestand ersetzt hatte. Wobei sie das monatliche Kaufvolumen eben sogar wieder ausweiten könnte, schließlich gab es sogar schon Zeiten, in denen die EZB für monatlich 80 Milliarden Euro entsprechende Wertpapiere gekauft hat. 

Das Problem dabei: Die sogenannte emittentenbezogene Obergrenze schreibt vor, dass die Notenbank nicht mehr als ein Drittel der ausstehenden Anleihen eines Landes kaufen soll. Und manch ein Kritiker führt an, dass diese Grenze schon mit den aktuellen Käufen in diesem Jahr erreicht wird.

Fiskalpolitik

Vor dem Hintergrund der schwindenden Macht der Notenbanken wird gerne die Fiskalpolitik ins Spiel gebracht, die in den Augen vieler Beobachter helfen müsste. Auch dazu gab es in der vergangenen Woche entsprechende Initiativen als die Finanzminister und Notenbankgouverneure der G7-Länder in einer gemeinsamen Erklärung deutlich gemacht hat, dass man bereitstehe, eine mögliche Wirtschaftskrise gemeinsam zu bekämpfen. 

Das könnten beispielsweise höhere Staatsausgaben sein, mit denen man dann versucht, die Nachfrage zu stimulieren und so die Wirtschaft zu stützen. In diesem Zusammenhang hat sogar unser Schwarze-Null-Finanzminister Olaf Scholz seine Bereitschaft signalisiert, im Falle einer Ausweitung der krisenhaften Entwicklung ein entsprechendes Konjunkturprogramm auf den Weg zu bringen. Deutschland habe fiskalpolitisch “alle Kraft”, so Scholz wörtlich, sollte das Coronavirus die Weltwirtschaft in eine tiefe Krise stürzen. Die Maßnahmen würden – noch mal ein Scholz-Zitat: “rechtzeitig, gezielt und vorübergehend” sein. Wobei so große Worte schnell dazu angetan sind, einen an die berühmten Worte des früheren Arbeitsministers Norbert Blüm zu erinnern, der stets betont hat: “Die Rente ist sicher!”

Wahrscheinlich wird es ohnehin auf eine Kombination fiskalischer und geldpolitischer Maßnahmen sein, auf die am Ende alles hinauslaufen wird. Weil eine solche Kombination aber neben dem Wachstum auch die Inflation beflügeln würde, sieht Peter De Coensel, seines Zeichens Chief Investment Officer bei Degroof Petercam Asset Management, durchaus Potenzial für sogenannte inflationsgebundene Anleihen. Das sind Anleihen, deren Kupon oder deren Nominalwert an einen Verbraucherpreisindex gekoppelt sind und einen Anleger damit vor einem realen Verlust bewahren würde, den er bei herkömmlichen Anleihen allein durch einen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus erleiden würde. Jetzt sei der Zeitpunkt da, die aktuellen Bewertungen dazu zu nutzen, entsprechende Investments in inflationsindexierten Anleihen aufzubauen bzw. zu erhöhen.

Personalien

Der Sparkassen-Asset-Manager Deka Investment wird sich einen neuen Geschäftsführer suchen müssen. Stefan Keitel, bisher Vorsitzender der Geschäftsführung von Deka Investment, wird das Unternehmen verlassen, um ab dem 1. August den Geschäftsführer-Posten bei der neuen zentralen Dachgesellschaft HQ Holding zu beziehen. Darunter werden künftig die Finanzdienstleistungs-Beteiligungen der Familie Harald Quandt zusammengefasst.

Wochenausblick

  • Dienstag: Zahlen zum BIP in der Eurozone
  • Mittwoch: Verbraucherpreisindex in den USA ohne Nahrungsmittel und Energie
  • Donnerstag: Zinsentscheid der EZB inklusive anschließender Pressekonferenz
  • Freitag: Harmonisierter Verbraucherpreisindex Deutschland und neueste Werte der Universität Michigan zum Verbrauchervertrauen in den USA

Quellen

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