H&H #006 – KW 02/20 – Investmentausblick 2020, Rentenreform, Finanztransaktionssteuer

Investmentausblick 2020

Die Welt ist aktuell geprägt von politischer Unsicherheit. Mit dem Konflikt im Iran begann das Jahr 2020 mit einem Schock. Vanguard, immerhin zweitgrößter Asset Manager weltweit spricht von einer neuen Phase der Unsicherheit und erwartet ein überwiegend schwaches Wachstum in der Weltwirtschaft. Die politischen Ereignisse werden sowohl die Nachfrage als auch langfristig das Angebot negativ beeinflussen.
Die Finanzprofis blicken trotzdem optimistisch in das Börsenjahr 2020. In der aktuellen Vermittler-Fokus Umfrage der Fondsplattform ebase geben knapp 60 Prozent der 239 befragten Vermittler an, dass sie zum Jahresende einen höheren Dax-Stand erwarten. Auch Blackrock prophezeit ein ertragreiches Börsenjahr. Der Finanzmarktstratege Felix Hermann ist überzeugt, dass die Aktienkurse trotz geopolitischer Risiken weiter zulegen werden. Trotzdem rät er zu einem wetterfesten Portfolio mit Stabilitätsankern wie Staatsanleihen und Gold.
Gründe für einen weiterhin steigenden Goldpreis gibt es genug: der neue USA-Iran Konflikt, ein weiterhin schwelender Handelskonflikt zwischen USA und China und die andauernde Niedrigzinsphase. Auch die dänische Saxo Bank prognostiziert 2020 einen Kursanstieg auf 2000 US-Dollar.

Finanzierung der Rente – CSU fordert Rentenwende

Ein weiteres spannendes Thema in der vergangenen Woche waren die Diskussionen um die Finanzierung der Rente. Der neue SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans, immerhin ehemaliger NRW-Finanzminister, hat vorgeschlagen, die gerade erst angehobene Beitragsbemessungsgrenze auf den Prüfstand und Einkünfte aus Kapitalvermögen unter eine Beitragspflicht zur Rentenversicherung zu stellen. Die CSU hingegen will gleich eine „Rentenwende“ einläuten und die bestehenden drei Säulen um eine weitere Säule ergänzen – mit einem „Starterkit“ für jedes Kind. Von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr soll der Staat für jedes Kind ein Beitrag von 100 Euro pro Monat in einen Generationen-Pensionsfonds einzahlen. Die Kosten belaufen sich laut Deutschem Gewekschaftsbund auf 18 Milliarden Euro jährlich. Mit einer dringend notwendigen Reform hat das zwar nicht viel zu tun, es bleibt allerdings abzuwarten, wie die konkrete Ausgestaltung aussehen soll. Es könnte zumindest ein Einstieg in die kapitalgedeckte Altersvorsorge mit staatlicher Unterstützung sein.

FDP Gutachten bestätigt Kritik an Finanztransaktionssteuer

Die von Olaf Scholz geplante Finanztransaktionssteuer stößt mehr und mehr auf Widerstand. Sein Vorschlag: eine Steuer von 0,2 Prozent auf Aktienkäufe großer Unternehmen. Der Handel mit Finanzderivaten und spekulativen Anlageformen ist ausgenommen, obwohl gerade diese zu Marktmanipulation und Spekulationsblasen führen können. Der Großteil der Finanztransaktionen blieben auch künftig steuerfrei. Die Einnahmen aus diesem Vorhaben, die Scholz für die Finanzierung der Grundrente vorgesehen hat, betragen laut eigenen Berechnungen 1,5 Milliarden Euro jährlich für Deutschland.
Und die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Gegenstimmen sprechen von Etikettenschwindel, einer kontraproduktiven Steuer und einer hohen Belastung von Kleinanlegern. Ein neues Gutachten der Ökonomen Hans-Peter Burghof und Robert Jung, das die FDP in Auftrag gegeben hat, zeigt: Die Steuer erfasst nur einen Bruchteil des Handelsvolumens, von einem Stabilisierungseffekt könne nicht gesprochen werden. Das Problem sind vor allem die Kosten, die bei herkömmlichen Investmentfonds durch regelmäßige Umschichtungen entstehen. Je nach Umschlagshäufigkeit können die Renditeverluste sich hier auf einige Tausend Euro addieren.
Unser Fazit: Dieser Vorschlag verfehlt das Ziel ganz klar. Einerseits sollen die Deutschen mehr privat vorsorgen, andererseits bewirkt der Vorschlag nicht, dass eine Anlage in Aktienfonds attraktiver wird.

Personalien

In den letzten Wochen haben zahlreiche Wechsel sowohl im Fondsmanagement als auch in Vertrieb und Marketing stattgefunden. Auffällig war vor allem Andreas Utermann, Ex-Vorstandschef von Allianz Global Investors hat zum Jahresende auf eigenen Wunsch seinen Posten für seinen Nachfolger Tobias Pross freigemacht, der bislang globaler Vertriebschef des Allianz Ablegers war.
Sehr traurige Nachrichten gab es gerade in der besinnlichen Zeit um Weihnachten aber auch. Gleich drei überaus angesehene Persönlichkeiten aus der Fondsbranche sind verstorben.
Mit Martin Hüfner, ehemals Chefvolkswirt der Assenagon-Gruppe, ist einer der beliebtesten Markt-Kommentatoren kurz vor Heiligabend im Alter von 77 Jahren seiner schweren Krankheit erlegen. 
Jens-Olaf Bartels, Vorstandsmitglied der Fiducia & GAD IT, Spitzenintsitut von rund 850 Volks- und Raiffeisenbanken inklusive der DZ Bank, ist bei Skiunfall tödlich verunglückt.
Und die Stuttgarter Vermögensverwaltung Sand und Schott trauert um ihren Co-Gründer und geschäftsführenden Gesellschafter Max Schott. Der 55-Jährige ist beim Schneeschuhwandern mit seinem Sohn in den Alpen von einer Lawine erfasst und getötet worden. Unser Beileid gilt den Angehörigen

Wochenausblick

Der Dax hat sich in der vergangenen Woche einem neuen Rekordhoch genähert. Am Ende fehlten zeitweise nur 50 Punkte zum all Time High bei knapp 13.600 Zählern. Christian Apelt, Analyst bei der Helaba sagt: „Die Neue Dekade begann mit einem Schock, aber jetzt ist alles wieder gut“. Bisher sieht es so aus, als würde der USA/Iran-Konflikt nicht weiter eskalieren. Von daher könnte sich der Dax weiter in rekordverdächtigen Höhen bewegen. Der Montag beginnt mit einem Feiertag, zumindest in den USA. Am Dienstag werden die ZEW Konjunkturerwartungen veröffentlicht. Voraussichtlich wird am Mittwoch ein erstes Handelsabkommen zwischen USA und China unterzeichnet.
Unternehmensseitig gilt die Aufmerksamkeit in der nächsten Woche auf der Berichtssaison, die in den USA anläuft. Am Donnerstag steht die erste Zinsentscheidung der EZB in 2020 an, obwohl hier wohl nicht viel Neues zu erwarten ist.