H&H #004 – KW 09/20 – Coronavirus, Notenbanken

Corona-Virus

Es war eine Woche wie man sie zum Glück nur sehr selten erlebt, und das nicht nur, was die Ereignisse an den Kapitalmärkten angeht. Aber am Verlauf der Kurse war natürlich wieder einmal direkt abzulesen, wie die Nervosität und die Verzweiflung der Menschen kontinuierlich weiter zugenommen hat. Rote Flaggen wohin man auch sah. Am Ende hat es nicht nur die Aktienmärkte schwer erwischt, sondern auch vermeintliche Krisenhäfen, insbesondere Gold, aber auch neue Instrumente wie die Kryptowährungen.

So beginnt der März mit Krisen, die aus Sicht einiger Marktteilnehmer so etwas wie “Wiedergänger” sind, weil das Covid-19-Virus mit seinem vermeintlichen Vorgänger SARS von 2002/2003 verglichen wird. Und die Flucht- und Migrationskrise, die aktuell an der Grenze der Türkei zu Griechenland aufflammt, war im Grunde seit 2015 nie gelöst geschweige denn erloschen. 

Natürlich sind die Krisen nicht vergleichbar, aber sie haben zumindest eines gemein: Sie waren absehbar und die Welt hätte sich wirklich besser vorbereiten können. Anderes ist dabei regelrecht in den Hintergrund getreten. Über den Brexit, bei dem es in der Zwischenzeit zu einer nochmaligen Verschärfung gekommen ist, spricht kaum noch jemand ernsthaft. Und der Handelskrieg zwischen USA und China oder der Krisenherd im Nahen Osten sind sozusagen vom Schirm verdrängt. 

In Zeiten da ganze Lieferketten bedroht sind, ist internationale Zusammenarbeit das Gebot der Stunde. Denn eine weiter um sich greifende Krise der internationalen Institutionen und des weltweiten Handels wäre das gefährlichste was uns jetzt drohen könnte, nicht nur was eine krisengerechte Versorgung der Menschen angeht, auch in Bezug auf die weitere Entwicklung an den Kapitalmärkten. Die Reaktion auf Seiten der Fondsmanager reicht von Warnungen, dass wir es mit einer unberechenbaren Lage zu tun haben bis hin zu jenen, die in der aktuellen Entwicklung eine sich bietende Möglichkeit zum Neueinstieg bietet. Wie es weitergeht, weiß dennoch niemand wirklich. Was sich aber feststellen lässt: Bei einigen Multi Asset Fonds hat das formulierte Ziel in der Talfahrtbewegung der Märkte funktioniert. Während der DAX-Index seit Jahresbeginn gut 10 Prozent an Wert verloren hat, konnte ein Klassiker der sogenannten Income-Orientierung wie der Global Income Fund von JPM AM die Verluste für seine Anleger auf nur ein Drittel dieses Werts begrenzen. Von daher ist in der laufenden Woche vielleicht mit einer Gegenreaktion zu rechnen, das wird, wenn überhaupt, allerdings fürs Erste nur eine technische Erholung der Märkte sein. Solange weder ein funktionierender Impfstoff noch ein wirksames Medikament gefunden ist, wird es keine nachhaltige Erholung geben. 

Aber in einem Punkt dürfte Altmeister Peter Huber Recht haben, wenn er in seinem aktuellen Marktkommentar feststellt: “So schmerzlich es für die Betroffenen auch ist: Der Corona-Virus bietet Anlegern, die angesichts der historischen Niedrigzinsen in Aktien unterinvestiert sind, nochmals die Chance, ihre Bestände an Dividendenpapieren zu guten Einstiegskursen schrittweise aufzustocken.”

Notenbanken

In solchen Situationen rufen die Märkte natürlich geradezu nach Aktionen auf Seiten der Notenbanken. Und selbst in Deutschland spricht der Finanzminister inzwischen von einem Konjunkturpaket und sogar von einer Aufweichung der Schuldenbremse. Die schwarze Null verliert damit so langsam ihren Status eines heiligen Grals. Von daher dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis es zu ersten Maßnahmen der Zentralbanken kommen wird. Fed-Chef Jerome Powell hatte bereits etwas angekündigt, was in seiner Art dem “whatever it takes” eines Mario Draghi gleichkommt, als er gesagt hat, “the Fed will act as appropriate” was zu deutsch soviel heißt wie: Wir werden angemessen handeln, um die amerikanische Wirtschaft zu stützen. 

Die zunehmende Ausbreitung des Coronavirus beunruhigt auch die Europäische Zentralbank (EZB). “Wir alle sind sehr besorgt über das, was gegenwärtig im Hinblick auf die Ausbreitung des Coronavirus passiert”, erklärte EZB-Direktorin Isabel Schnabel auf einer Veranstaltung in London. Falls sich das Virus stärker in Europa festsetze, könne die Notenbank darüber nicht hinwegsehen. Sogar Aktienkäufe durch eine EZB dürften inzwischen nicht mehr auszuschließen sein. Das heißt nichts anderes als dass die Märkte sich auf weitere Zinssenkungen einstellen müssen. 

Für die USA, wo man lange auf dem Trip war, das QE eher sukzessive weiter zurückzufahren, gehen einige Marktbeobachter inzwischen sogar davon aus, dass es bis zu vier weitere Zinssenkungsschritte noch in diesem Jahr geben könnte. Die Zinsstruktur ist inzwischen klar invers, das heißt, die langfristigen Zinsen sind bereits deutlich niedriger im Vergleich zu den Kurzfristzinsen, was als klares Zeichen einer sich anbahnenden Rezession gewertet wird.

Personalien

Ferdinand Haas 

Nach gut 13 Jahren verlässt Ferdinand Haas die DWS auf eigenen Wunsch, ein Nachfolger für die von ihm verantworteten Produktbereiche ist schon gefunden. Das ging aus einem internen Memo der Gesellschaft hervor. Haas verantwortete zuletzt den Produktbereich für die Regionen Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA) als auch die asiatisch-pazifische Region (APAC) sowie die Bereiche “Coverage Strategy & Analytics” und das “ESG Advisory”. Sein Nachfolger ist Michael Koschatzki, der bisher das Produktmanagement in der Region EMEA & APAC leitete. Der Wechsel kommt angesichts des zurückliegenden Rekordjahrs der DWS schon sehr überraschend. 

Barbara Novick

Mit Barbara Novick tritt ein Urgestein von Blackrock zurück. Novick war eine der insgesamt acht Mitgründer des weltgrößten Asset Managers, und hat sich auf eigenen Wunsch von ihrem Posten als stellvertretende Vorsitzende zurückgezogen. Bis ihre Nachfolge geregelt ist, behält die 59-Jährige aber ihren Posten. Danach wird sie der Gesellschaft als Beraterin erhalten bleiben. Das berichteten übereinstimmend verschiedene internationale Medien unter Berufung auf ein internes Rundschreiben des Vermögensverwalters. Novicks Job umfasst unter anderem die Verantwortung für regulatorische Themen. Sie leitet das “Government Relations Steering Committee” von Blackrock.

Eduardo Mollo Cunha 

Der Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement hat sich von Eduardo Mollo Cunha, bislang Mitgesellschafter und Vertriebsleiter, getrennt. Genau genommen war Cunha bereits seit 7. Februar freigestellt und nicht mehr bei der Arbeit, weil ihm gekündigt wurde. Grundlos, wie er sagt. Deshalb zieht Cunha nun vor Gericht. “Mein Anwalt hat die Klage gegen Eyb & Wallwitz bereits eingereicht”, erklärte Cunha gegenüber Citywire Deutschland. Hintergrund der Kündigung ist wohl eine Auseinandersetzung über Cunhas Vergütung. Nach seiner Darstellung habe das Unternehmen sie zu Cunhas Nachteil anpassen wollen. Weil er das Angebot nicht annehmen wollte, habe ihm das Unternehmen gekündigt. 

Eyb & Wallwitz selbst wollte sich bisher noch nicht zu Cunhas Aussagen äußern. 

Wochenausblick

Das Thema Corona wird uns weiter beschäftigen, von daher hängt die weitere Entwicklung an den Kapitalmärkten von der Entwicklung der Nachrichtenlage ab.

  • Am Montag gibt es neue Daten zu den Einkaufsmanagerindizes, was zusätzliches Licht in das aktuelle Stimmungsbild bringen wird.
  • Am Dienstag wird der Super-Tuesday Neuigkeiten zu den US-Wahlen eröffnen. Zusätzlich gibt es neue Daten zur Inflationsentwicklung in Europa.
  • Der Mittwoch bringt Aufschluss über die Einzelhandelsumsätze sowohl in Deutschland als auch in der EU, allerdings sind es die noch weniger aussagefähigen Januar-Zahlen.
  • Interessant dürfte es am Donnerstag und am Freitag werden. Da hält die OPEC ihre Pressekonferenz ab, aus der sich bestimmt Rückschlüsse über den arg gebeutelten Ölpreis werden ziehen lassen. 

Quellen

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