H&H #003 – KW 08/20 – Inflation, Corporate Bonds, Divestment vs. Investment, Fusion Franklin Templeton und Legg Mason

Inflation – höher als angenommen

Sowohl Flossbach von Storch als auch die DWS haben in dieser Woche die Inflationsentwicklung zum Thema gemacht. Tenor: Die Inflation ist im Grunde deutlich höher als angenommen. Flossbach von Storch berechnet regelmäßig einen eigenen Vermögenspreisindex. Demnach kletterten die Preise für das Vermögen deutscher Privathaushalte zwischen Ende 2018 und Ende 2019 um – man beachte! – fast acht Prozent (7,6 Prozent). Ein Anstieg, der vor allem einer Verteuerung von Sachvermögen zu verdanken sei, dazu zählen in erster Linie Betriebsvermögen (Aktien) und Immobilien. Und das wissen inzwischen auch Nicht-Immobilienbesitzer, sprich: Mieter! 

Acht Prozent, soweit geht die DWS nicht gleich, obwohl deren Strategen auch von einem eigentlich höheren Preisauftrieb ausgehen. Bis vor kurzem seien Inflationsraten von unter einem Prozent so etwas wie die Norm gewesen. Jetzt gebe es Hoffnung auf eine zumindest moderate Aufwärtsentwicklung. Fest macht DWS Volkswirtin Ulrike Kastens das vor allem an der Entwicklung bei den Löhnen, die bei den Dienstleistungspreisen (ohne Mieten) eine wichtige Rolle spielen. Die seien seit 2018 mit einer Jahresrate von mehr als 2,5 Prozent gestiegen. “Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Unternehmen den Lohndruck an die Verbraucher weitergeben”, so Kastens. Sie wirft dabei die Frage auf, ob der jetzige Warenkorb den Preisauftrieb überhaupt noch richtig abbildet. Auch in der Eurozone würden schließlich Mieten und Kosten für selbstgenutztes Wohneigentum ein Drittel des Warenkorbs ausmachen, seien aber bisher nur mit Werten zwischen 3 und 7 Prozent je nach Land berücksichtigt. Bei der von der EZB angekündigten “Überprüfung der geldpolitischen Strategie” könne es daher durchaus sein, dass die Kosten für selbstgenutztes Wohneigentum eindeutiger in den Preisindex einbezogen werden, wie es die Amerikaner schon lange machen. Viel verändern würde das nicht, selbst wenn man die Drittel-Einbeziehung unterstelle, hätte die Inflationsrate seit 2010 nur ein paar Nachkommastellen über der amtlichen Inflationsrate gelegen. 

OECD schlägt Alarm: Geht von Unternehmensanleihen eine Gefahr aus?

Zahlen, die beunruhigen, aber viele Marktteilnehmer haben die Risiken nicht auf dem Schirm. Es geht um Unternehmensanleihen, insbesondere jene mit schwacher Bonität. Die OECD befürchtet, dass diese das Finanzsystem auf eine harte Probe stellen könnten. Man macht man sich Sorgen aufgrund des immer höher wachsenden Schuldenbergs. Per Ende 2019 haben Unternehmen weltweit über ihre Anleihen einen Berg von 13,5 Billionen US-Dollar angehäuft. Ein Grund dafür sei die Niedrig- und Nullzins-Politik von Notenbanken, die es für Unternehmen extrem attraktiv mache, sich günstig zu verschulden. Erst mal kein Grund zur Unruhe, aber gleichzeitig hat sich die Kreditqualität zunehmend verschlechtert. Vor der Finanzkrise lag der Anteil aller ausgegebenen Bonds , die ein sogenanntes BBB-Rating (die niedrigste Qualitätsstufe vor dem Junk-Status) im Segment der Investment Grade-Anleihen haben, bei nur 39 Prozent. 2019 war es bereits gut die Hälfte (51 Prozent).

Die OECD befürchtet, dass es durch einen möglichen konjunkturellen Abschwung verstärkt zu Downgrades kommen wird. Die Folge: Unternehmen kämen durch höhere Finanzierungskosten unter Druck, im worst case droht die Insolvenz. Nebeneffekt: Inzwischen existiert eine Reihe von sogenannten „Zombiefirmen“, die im Grunde schon gar nicht mehr wettbewerbsfähig sind, aber durch günstige Zinsen und Geld zum Nulltarif künstlich am Leben gehalten werden. Im Falle einer Abstufung auf Junk-Status könnte die Entwicklung eine Verkaufswelle lostreten, die nicht ohne Konsequenzen für die Rentenmärkte bleiben würde. Sowohl Rentenfonds, aber auch eine Reihe von Multi-Asset Fonds und insbesondere Bond-ETFs wären betroffen.

Das Thema Divestment spaltet die Fondsbranche

Die Diskussion über die Dichotomie Divestment versus Investment beschäftigt derzeit die Fondsbranche. Einerseits verbannen immer mehr Investoren klimaschädliche Anlagen aus ihren Portfolios. Andererseits sehen andere darin unterbewertete Aktien mit soliden Bilanzen und investieren. Die Initiative “Stop the Money Pipeline” (Klimaaktivisten, die von Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften fordern, “Klimazerstörern” den Geldhahn zuzudrehen) hat das Thema auf eine neue Ebene gehoben. Denn die Rechnung ist nicht so einfach wie eben beschrieben. Die eine Seite sagt: Keine Finanzierung der Umweltsünder verringert die Förderung fossiler Brennstoffe und letztlich den Ausstoß schädlicher Emissionen. Deshalb raus aus Klimasündern wie Ölförderern, Gas- oder Kohlekraftwerken. Bisher haben knapp 1.200 Organisationen und rund 60.000 Individuen Gelder in Höhe von über 12 Billionen US-Dollar aus bedenklichen Investitionen abgezogen, wie das Investoren-Netzwerk Divest Invest auflistet. 

Die andere Seite betont, dass es andererseits genügend Beispiele gebe, dass Unternehmen sich durchaus auf einem guten Transformationsprozess befinden. RWE wird hier häufig genannt, ein Unternehmen, das sich von einem problematischen Versorger zu einem Vorzeigekandidaten in der Energieerzeugung zu entwickeln scheint. Deshalb halten es Leute wie der Fondsmanager Thomas Meier von Mainfirst für besser, solche Transformationsprozesse von Unternehmen zu begleiten, als sich durch Divestment lediglich aus solchen Investitionen herauszuziehen. Damit behalte man zumindest die Möglichkeit zum sogenannten Engagement, also als Aktionär in Gesprächen mit dem Unternehmen oder auf Hauptversammlungen und so weiter seine Stimme zu erheben und Einfluss zu nehmen. 

Aber natürlich hat auch Ali Masarwah vom Fondsanalysehaus Morningstar Recht: Er sagt, ultimativ sei das „Divestment“ eine gute Lösung, weil sich Fondsgesellschaften ohne Androhung dieser Maßnahme ihres einzigen Hebels berauben würden. Wenn solche Transformationsprozesse oder die Gespräche darüber zu nichts führen würden, müsse man sich aus dem Investment herausziehen.

Franklin Templeton will Legg Mason kaufen

Franklin Resources, das ist die börsennotierte Gesellschaft, die hinter dem Asset Manager Franklin Templeton steht, hat eine offizielle Übernahmeofferte für den Konkurrenten Legg Mason vorgelegt. Der kalifornische Fondskonzern bietet einer Mitteilung zufolge 4,5 Milliarden Dollar und die Übernahme von zwei Milliarden Dollar Schulden, um sich den Rivalen einzuverleiben. Mit dem Zusammenschluss entstünde ein neuer Investmentriese mit einem verwalteten Vermögen von 1,5 Billionen Dollar. 

Damit schreitet die Konsolidierung in der Fondsbranche merklich weiter voran. Nach Bündnissen wie Janus und Henderson oder Standard Life und Aberdeen gab es zuletzt zwar nur kleinere Transaktionen. Nur einen Tag vor dem Franklin-Angebot an Legg Mason aber hatte Jupiter den Kauf der früheren Old-Mutual-Investmentsparte Merian angekündigt.

Personalien

Klaus Kaldemorgen verschiebt den Ruhestand

Klaus Kaldemorgen von der DWS wird seinen ursprünglich für Mai 2021 geplanten Ruhestand gewissermaßen vertagen. Die DWS-Spitze hat in der vergangenen Woche auf einer Firmenveranstaltung bekannt gegeben, dass die Fondsmanagerlegende dem Haus noch länger erhalten bleiben wird. Er bleibt damit länger als geplant verantwortlich für seinen mittlerweile rund elf Milliarden Euro schweren Multi-Asset-Fonds DWS Concept Kaldemorgen. Der Fondsmanager wird im September dieses Jahres 67 Jahre alt.

Chefwechsel bei der UBS

Ralph Hamers, derzeit Vorstandschef der ING Group, wechselt zum 1. September dieses Jahres zu der Schweizerischen Großbank UBS, um nach einer vierwöchigen Übergangsphase den Noch-CEO, Sergio Ermotti, abzulösen. Ermotti wird die Großbank verlassen. Die UBS steht vor einer anhaltenden Transformation, von daher dürfte Hamers genau der Richtige sein. Er ist seit 1991 bei der ING, bevor er 2013 zum Vorstandschef befördert wurde, hat er während seiner Karriere diverse Positionen in verschiedenen Geschäftsbereichen und Märkten innegehabt. Unter seiner Regie hat die ING Group einem fundamentalen Wandel des Betriebsmodells vollzogen und gilt heute als eines der besten Beispiele für digitale Innovation im Bankensektor.

Wochenausblick 

Bisher sind die Anleger gelassen was das Thema Coronavirus angeht. Markus Reinwand, Analyst bei der Helaba sagt allerdings: Die derzeitige Gelassenheit der Anleger könnte auf die Probe gestellt werden, die Luft werde allmählich dünner.
Erhöhte Aufmerksamkeit liegt daher auf den Konjunkturdaten: 

  • Montag: ifo-Geschäftsklima für Februar. Hier ist ein Stimmungsrückgang zu erwarten
  • Donnerstag: BIP Zahlen in Amerika
  • Freitag: Harmonisierter Verbraucherpreisindex in Deutschland

Unternehmensseitig: Berichtssaison setzt sich fort. Drei Dax-Unternehmen präsentieren ihre Jahreszahlen: Munich Re, Bayer und BASF

Quellen

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