H&H #001 – KW 48/19

Cum-Ex Affäre: Topmanager legen Ämter nieder

Chrisian Olearius und Max Warburg legen Ihre Ämter im Aufsichtsrat der Bank M.M. Warbug nieder. Offiziell heißt es, das Haus schließe einen Generationenwechsel ab. Das scheint allerdings nicht die ganze Wahrheit zu sein. Die FAZ zitiert einen Sprecher der Privatbank: „der Schritt erfolgt auch, um die Bank vor weiteren Diskussionen um Cum-Ex zu schützen.“ Der Hintergrund: Olearius und Warburg werden verdächtigt, am Cum-Ex Betrug beteiligt gewesen zu sein. Bisher wies die Bank die Anschuldigungen immer wieder als „haltlose Mutmaßungen und Spekulationen“ zurück. Inwieweit die Bafin im Vorfeld Druck ausgeübt hat, bleibt wahrscheinlich unklar. Den Informationen des Handelsblattes zufolge hatten Olearius und Warburg keine andere Wahl mehr. Die Zeitung zitiert einen engen Beobachter der Bank: „Der Druck der Bafin war zuletzt so groß, dass sie die Flucht nach vorne antreten mussten.“

Die beiden über 70 Jahre alten Bankiers sind Hauptgesellschafter der Bank. Olearius war lange Zeit Chef der Bank, zuletzt war er Aufsichtsratsvorsitzender, Warburg war sein Stellvertreter. Offiziell heißt es jetzt, die beiden werden sich künftig mit ihrem gesellschaftlichen und sozialen Engagement widmen.

Interview mit Klaus Kaldemorgen, Fondsmanager des DWS Concept Kaldemorgen 

Beim Thema Personal war ein Interview mit DWS-Urgestein Klaus Kaldemorgen interessant, das mein Kollege Hans Weitmayr für die aktuelle Printausgabe von FONDS professionell geführt hat, die in diesen Tagen ausgeliefert wird. Darin nimmt Kaldemorgen, der noch bis 2021 für den rund zehn Milliarden Euro schweren DWS Concept Kaldemorgen verantwortlich zeichnet, unter anderem Stellung zu der Frage, was mit diesem Portfolio passieren wird, wenn er sich im Mai 2021 – da läuft sein Vertrag mit der DWS aus – in den Ruhestand verabschiedet. “Es geht um die Strategie, nicht um meine Person”, erklärt der 66-jährige. Auch wenn im Augenblick noch er die Anlageentscheidungen im Fonds treffe, werde der DWS Concept Kaldemorgen schon heute in einem teamorientierten Ansatz gemeinsam mit Henning Potstada und Christoph-Arend Schmidt geführt. Das Interview gibt es in voller Länge in der aktuellen Ausgabe 4/2019 von FONDS professionell. Darin äußert sich Kaldemorgen auch zu der Frage, ob das Volumen des Fonds mittlerweile nicht zu einem Hindernis geworden ist. Und räumt ein, dass der Fonds mit aktuell zehn Milliarden Euro inzwischen so ist, dass er inzwischen zu einer Art Benchmark für große Wettbewerber geworden sei. Entsprechend greife das Team vorzugsweise zu “Large Caps”. Er sei aber sicher, dass der Fonds locker mehr als das Doppelte seiner aktuellen Größe vertrage.

DWS-Fondsmanager Tim Albrecht setzt auf Wirecard

Die Berg-und-Tal-Fahrt von wirecard hatten wir letzte Woche schon thematisiert. Jetzt hat der DWS-Fondsmanager Tim Albrecht ebenso wie weitere Kollegen aus der DWS in großen Stil in die Aktie investiert. Laut dem jüngsten Factsheet von Ende Oktober steckt bei dem Fonds „DWS Deutschland“ ein Anteil von 9,2 Prozenz in den Wirecard-Aktien. Neben weiteren DWS Fonds konzentrierte auch der von Albrecht gemanagte „DWS Investment German Equities“ 9,0% seiner Titel auf Wirecard. Das entspricht sowohl beim „DWS Deutschland“ als auch beim „DWS Investment German Equities“ einer fast siebenfachen Übergewichtung gegenüber dem Indexanteil von Wirecard im Vergleichsindex CDax. Gegenüber dem Branchenportal „finanz-Szene“ begründet Albrecht die hohe Gewichtung mit „Branchen-Überlegungen“. Man bevorzuge mit Blick auf Kunjunkturlage und Prognose aktuell auch in Deutschland Finanz- und Tech-Werte.

Ifo Geschäftsklima steigt leicht

Der ifo Geschäftsklimaindex ist im November um 0,3 Punkte von 94,7 auf 95,0 Punkte gestiegen. Die Manager waren minimal zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage und die Erwartungen fielen weniger pessimistisch aus. Im aktuellen Bericht von Clemens Fuest heißt es, die deutsche Konjunktur zeige sich widerstandsfähig und das Institut rechne mit einem BIP Anstieg um 0,2 Prozent im vierten Quartal 2019. Der KfW-Ökonom Klaus Borger kommentiert: „Die stabile Stimmung bei gleichzeitig etwas weniger pessimistischen Erwartungen ist eine willkommene Versicherung, dass die Wirtschaft nicht ins Bodenlose stürzt.“ Borger ist davon überzeugt, dass ein wesentlicher Grund für den leichten Anstieg im Ausland liegt: Sowohl die in Aussicht gestellte Teileinigung im Handelsstreit zwischen USA und China, als auch die gesunkene Wahrscheinlichkeit eines harten Brexits hätten für einige Lichtblicke gesorgt. Trotzdem bleibe die Wirtschaft verwundbar und anfällig, solange die Industrie nicht auf einen Wachstumspfad zurückgefunden hat, so Borger.

FvS Research Institute vergleicht ESG-Ratings

Die ESG Ratings verschiedener Anbieter weichen teilweise deutlich voneinander ab, zu diesem Ergebnis kommt das Flossbach von Storch Research Institute in einer aktuellen Studie. Das Institut hat die ESG Scores der Anbieter MSCI ESG Ratings, Sustainalytics und RobecoSAM für die Unternehmen des MSCI World Index verglichen. Da der Begriff „Nachhaltigkeit“ immer auch eine subjektive Ebene aufweist, ist nicht einheitlich klar, was ESG Ratings überhaupt messen sollen. Die Untersuchung zeigt, dass die Einschätzungen der einzelnen Ratingagenturen teils deutlich voneinander abweichen. Das Institut rät zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den Ergebnissen der Agenturen.

Case of the Week: Der Spiegel über Spendenpraktiken der AfD 

Der Spiegel berichtet in seiner aktuellen Magazin-Ausgabe über dubiose Spendenpraktiken der AfD. Die Partei, die an diesem Wochenende ihren Bundesparteitag abhält, soll laut dem Bericht schon in ihrer Gründungsphase jeden Trick genutzt haben, um Geld von möglichen Spendern einzusammeln. Brisant dabei: In mehreren Fällen sei dabei gegen das Parteiengesetz verstoßen worden. Das schreibt unmissverständlich vor, dass Spenden über 10.000 Euro pro Jahr im Rechenschaftsbericht auszuweisen sind. Die Regelung soll garantieren, dass die Öffentlichkeit darüber im Bilde ist, wer möglicherweise Einfluss auf eine Partei genommen hat. Als Spender genannt werden dabei neben dem Münchner Vermögensverwalter Gottfried Heller auch die Kölner Flossbach von Storch AG, die 2013 offenbar 9.500 Euro an die Partei gezahlt hat. Dass die Zahlung nicht im Rechenschaftsbericht der Partei von 2013 erschien, war zwar nicht illegal, weil unterhalb der Publizitätsschwelle von 10.000 Euro. Es wirft aber schon ein seltsames Licht auf das Unternehmen, das sich laut Spiegel aus heutiger Perspektive von der immer weiter nach rechts gerückten Partei klar distanziert. Eine offizielle Stellungnahme von Flossbach von Storch gibt es dazu zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Aus dem Umfeld der Gesellschaft war aber zu erfahren, die Spende sei im Zusammenhang mit einem eurokritischen Vortrag des damaligen AfD-Gründers Bernd Lucke bei einer Kundenveranstaltung des Kölner Vermögensverwalters geflossen. Der habe darum gebeten, man möge doch statt eines Honorars an die von ihm damals gerade gegründete AfD spenden. Im Rückblick sicher keine gute Lösung.

AberdeenStandard schlägt ESGP-Rahmen vor

AberdeenStandard hat ein ESGP-Rahmenwerk entwickelt, das neben einer Beurteilung der ESG-Risiken auch eine Analyse des politischen Risikos beinhaltet (das P steht dabei für „Politik“). Dieser Rahmen soll dazu beitragen, Chancen und Risiken bei Staatsanleihen aus den Schwellenländern zu ermitteln. Unter die Faktoren fallen Umweltverträglichkeit, eine bessere soziale Entwicklung und effektive Regierungsapparate. Es soll sich dabei um quantitative Kennzahlen aus unabhängigen Quellen handeln, wodurch eine objektive Beurteilung des Risiko möglich werden soll. Anleger, so die Gesellschaft, müssen sich ein klares Bild von der regulatorischen Qualität und der politischen Stabilität sowie davon machen, wofür die Einnahmen eingesetzt werden.

ScopeExplorer – Investmentfonds mit einem Klick prüfen und vergleichen

Die Ratingagentur Scope hat mit dem „ScopeExplorer“ eine neue Fonds-Plattform entwickelt, auf der Anleger und Berater erstmals die Qualität von Investmentfonds schnell und unkompliziert prüfen und sie mit den besten Fonds vergleichen können. Auf www.scopeexplorer.com haben Anleger und Berater ab sofort kostenfrei Zugang zu Bewertungen und Rankings für mehr als 6.000 Investmentfonds. Anleger können damit erstmals per Knopfdruck erfahren, welche Bewertung und welche Position im Ranking ihr Fonds hat und welches die Top-Produkte der jeweiligen Kategorie sind, so die Ratingagentur, die betont, eines der Kernziele bei der Entwicklung der neuen Fonds-Plattform war daher die Reduktion von Komplexität.“ Für professionelle Anleger und Fondsselektoren bietet der ScopeExplorer darüber hinaus Zugang zu einer Reihe weiterer Auswertungs-Tools und Suchfunktionen und langjährigen Zeitreihen,

Studie zeigt: Bundesbürgern fehlt selbst das Basiswissen zu Fonds

Auch wenn die Deutschen inzwischen über 2.800 Milliarden Euro in offene Investmentfonds, sprich frei zugängliche Publikumsfonds als auch Spezialfonds von Versicherungen und Versorgungsträgern investiert haben: Den meisten Bundesbürgern ist immer noch völlig schleierhaft, in was sie da eigentlich ihr Geld anlegen. Selbst das grundlegende Wissen um diese Vermögensaufbau-Form fehlt vielen, wie eine repräsentative Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag der Vermögensaufbau-Plattform Rentablo offenbart. Die Frage “Kennen Sie den Unterschied zwischen Aktienfonds und gemischten Fonds?” – eine von insgesamt 15 Fragen – hat lediglich ein Fünftel der über 1.000 Befragten bejaht. Ähnlich sah es bei den Kenntnissen zum Unterschied zwischen Rentenfonds und Rentenversicherung sowie bei der Frage, ob neben Banken und Sparkassen andere Fondsvermittler wie freie Berater bekannt sind. Den Unterschied zwischen Indexfonds und Indexzertifikaten kannte hingegen nicht einmal jeder Zehnte. Und noch schlechter stand es mit dem Wissen um Sparmöglichkeiten beim Ausgabeaufschlag (10 %) sowie bei Bestandsprovisionen. Im Grunde steht damit einem freien Berater die Tür zum Anleger in spe aktuell weit offen, sie müssten nur hindurch gehen.

Neue Serie bei Fonds Professionell: Wichtigste Fragen und Antworten zur FinVermV

Die beiden Anwälte Norman Wirth und Daniel Berger erörtern, auf welche Neuerungen sich Finanzberater einstellen müssen. Geplant ist eine mehrteilige Serie von Beiträgen. Vorige Woche kam der erste Teil, in dem es um die wichtigsten Änderungen der FinVermV

Gut 1,4 Billionen Euro an Altersvorsorgegeldern werden von der Fondsbranche verwaltet 

Die Fondswirtschaft spielt in der Altersvorsorge eine bedeutende Rolle. Knapp die Hälfte des von Asset Managern für Anleger aus Deutschland betreuten Vermögens dient explizit der Altersvorsorge. Das zeigt eine Umfrage des Branchenverbands BVI. “Die Bürger sorgen für die Rente zwar meist über Lebensversicherungen oder über ihre Betriebsrente vor, indirekt sind sie aber in Fonds investiert”, erklärte in der vergangenen Woche Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des Verbands. Konkret verwalten die Gesellschaften per Jahresmitte 2019 gut 1,4 Billionen Euro für Altersvorsorgezwecke. Das entspricht 45 Prozent des verwalteten Gesamtvermögens der Branche. Im Vergleich zur Jahresmitte 2017 entspricht das einem Zuwachs um 280 Milliarden Euro. Das meiste Geld – etwas mehr als 1 Billion Euro – steckt dabei in Spezialfonds. 

Jörg Kukies (SPD), Staatssekretär im BMF, zum Provisionsdeckel in der Lebensversicherung

Beim Gipfel des Bundesverbandes Finanzdienstleistung (AfW) in Berlin hat Jörg Kukies (SPD), Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, die Pläne für einen Provisionsdeckel in der Lebensversicherung verteidigt. Seinem Ministerium liege eine neue Erhebung der Finanzaufsicht Bafin vor, erklärte Kukies. Diese belege Provisionsauswüchse in der Lebensversicherung von teilweise über sieben Prozent. Der Referentenentwurf, den das SPD-geführte Bundesfinanzministerium im Frühjahr 2019 präsentiert hatte, sieht daher vor, Provisionen in der Lebensversicherung bei 2,5 Prozent der Bruttobeitragssumme zu deckeln. Sofern Versicherungsvermittler bestimmte Qualitätskriterien wie eine niedrige Storno- und Beschwerdequote erfüllen, sollen sie bis zu vier Prozent nehmen dürfen. Eine solche Begrenzung bringe den Großteil der Vertriebe nicht in existenzielle Nöte, so Kukies. Carsten Brodesser, Berichterstatter der Arbeitsgemeinschaft Finanzen der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, ist da ganz anderer Ansicht. Ein solcher Provisionsdeckel sei “ein schlechtes Signal für die private Altersvorsorge”. Gute Beratung müsse auch angemessen vergütet werden. “Mit uns ist der Referentenentwurf so nicht zu machen”, stellte er klar. Auch zum geplanten Übergang der Aufsicht über 34f- und 34h-Vermittler auf die Bafin äußerte sich Kukies. Der Wechsel sei Bestandteil des Koalitionsvertrags, und der Spezialisierungsgrad der Kontrollmitarbeiter in der Bafin sei durchweg höher als derjenige von Gewerbeämtern, die neben den Finanzvermittlern auch noch viele andere Gewerbetreibende kontrollieren. Laut Kukies soll der Übergang der Aufsicht glatt und sauber erfolgen und innerhalb von zwei bis fünf Jahren abgeschlossen sein. 

Jahresendrallye hat längst begonnen

Nach den nach wie vor andauernden Hiobsbotschaften häufig selbst ernannter Börsengurus, sah sich Marc-Oliver Lux der Münchner Vermögensverwaltung Dr. Lux & Präuner offenbar zu einer motivierenden Nachricht veranlasst. “Die Jahresendrally ist längst gestartet”, ließ Lux jetzt verlautbaren. Bereits seit Ende August als der Dax noch 2.000 Punkte tiefer notierte, arbeiten sich die Aktienmärkte zielstrebig nach oben. “Nach einem kleinen Rückfall im Oktober hat sich die Aufwärtsbewegung sogar noch beschleunigt”, so Lux. Wer jetzt einsteige, habe zwar bereits viel verpasst, könne aber dennoch einiges an Kursgewinnen mitnehmen. Von einem ist Lux jedenfalls überzeugt: Das Börsendrama von 2018, als die Börsenkurse kurz vor Silvester auf ein Zweijahrestief abstürzten, wird sich seiner Meinung nach dieses Jahr nicht wiederholen und bleibe – trotz der durchwachsenen Aussichten für einzelne Wirtschaftssektoren wie der Autoindustrie – ein übler Ausreißer. 

FNG Siegel Vergabefeier

Letzte Woche waren wir auf der Vergabefeier des FNG Siegels. 104 Fonds wurden ausgezeichnet. Die Zahl der Bewerbungen stieg um 60%, der größte Zuwachs kam aus Ländern außerhalb des deutschsprachigen Raums. Die Gesamtverantwortung für das Siegel übernimmt die Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger Geldanlagen mbH (QNG). Auditor des FNG Siegels ist die Universität Hamburg. Die Kriterien, nach denen die Universität beurteilt umfasst einige Mindeststandards die Ausschlüsse, Nachhaltigkeits-Analysen und Transparenz beinhalten, sowie ein Stufenmodell, das die institutionelle Glaubwürdigkeit, die Produktstandards und den Impact überprüft.

Fonds Professionell Kongress

Das Programm des Ende Januar stattfindenden Fonds professionell Kongress in Mannheim ist jetzt online und es sind mal wieder einige interessante Vorträge von namhaften Referenten dabei.