H&H #001 – KW 47/19

Neue Chefin bei Franklin Templeton

Bei Franklin Templeton wird es bald das große Stühlerücken in der Chefetage geben. Und doch bleibt sozusagen alles in der Familie. Der bisherige Vorstandschef Gregory Johnson übergibt das Ruder an seine Schwester Jennifer. Gregory bleibt weiterhin Verwaltungsratschef des Konzerns, damit wird die bislang gepflegte Personalunion aus Vorstands- und Verwaltungsratsvorsitz aufgegeben. Ohnehin liegt die Führung von Franklin Templeton nach wie vor in der Hand der Familie des Franklin-Gründers Rupert Johnson, der die Investmentfirma Franklin im Jahre 1947 gegründet hat und 1992 die Gesellschaft des Starinvestors Sir John Templeton übernommen hat. Jennifer Johnson zählt damit zu einer Reihe von Frauen, die in den vergangenen Jahren die Führungsposition bei internationalen Fondsgesellschaften eingenommen haben. So hatte etwa beim US-Haus Fidelity mit Abigail Johnson die Enkelin des Firmengründers die Leitung übernommen. Abigail Johnson – eine andere Johnson-Sippe als die Franklin-Johnsons – ernannte wiederum die frühere M&G-Chefin Anne Richards zur Leiterin von Fidelity International, dem außerhalb Nordamerikas operierenden Asset Manager. 

Der Strafzins breitet sich aus – auch unter Privatkunden
In ihrem Bericht von November meldet die Bundesbank, dass 23 Prozent der Banken einen „negativen volumengewichteten Durchschnittszinssatz“ berechnen. Firmenkunden sind am stärksten betroffen, aber auch Privatkunden werden sich mit dem Thema beschäftigen müssen. Es gibt erste Meldungen von Banken, die sogar ab dem ersten Cent Minuszinsen verlangen. Und das obwohl der Präsident des privaten Bankenverbandes vor Kurzem erst betont hat, dass Normalsparer sich vorerst keine Sorgen um Negativzinsen machen müssen. 

Wirecard bietet Girokonto mit 0,75% Zinsen
Wirecard hat angekündigt, mit einem eigenen Girokonto ins Bankengeschäft einzusteigen. Und das ist nicht alles: Die Strafzins-Debatte scheint wirecard nicht zu beschäftigen, das Unternehmen plant, das Girokonto mit einer Verzinsung von 0,75 Prozent anzubieten, um die Kundenbasis zu vergrößern. Ab 2020 soll das Girokonto verfügbar sein und soll im Jahresverlauf um weitere Anlage-Angebote erweitert werden. 2018 hat das Unternehmen den Sprung in den Dax geschafft, seitdem häufen sich die Gerüchte um fragwürdige Bilanzierungspraktiken und es gab immer wieder heftige Auf- und Abwärtsbewegungen im Kurs. 

Niedrigzinsprobleme bei Pensionskasse
Davor warnt Ivan Mlinaric vom Vermögensverwalter Quant Capital. Je länger die Zinsen niedrig bleiben, desto mehr kommen Pensionskassen in finanzielle, um nicht zu sagen existenzielle Schwierigkeiten. Sie weisen teilweise bereits hohe ungedeckte Fehlbeträge auf.  “Ich befürchte, dass der Niedrigzins manche Pensionskasse überlebt”, sagt Mlinaric. Die Bafin sehe inzwischen 31 Pensionskassen so kritisch, dass sie ihre Aufsicht verstärke. Für Mlinaric gibt es drei Möglichkeiten für Pensionskassen, zu reagieren: “Es muss mehr Geld eingezahlt oder weniger ausgezahlt werden, oder das vorhandene Kapital muss höhere Renditen abwerfen.” Da die ersten beiden Varianten eher unbeliebt bis unrealistisch seien, hält der Quant-Capital-Geschäftsführer vor allem Investments in risikoreichere Anlageklassen für notwendig, um vorhandene Spielräume im Risikobudget zu nutzen und gleichzeitig ein internes Risikomanagement aufzubauen.

Christine Lagarde – erste öffentliche Rede als EZB-Präsidentin
Vieles spricht dafür, dass sich an der Niedrigzinssituation nicht viel ändern wird in absehbarer Zeit, das konnte man den Ausführungen der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde entnehmen, die in der vorigen Woche ihre erste öffentliche Rede gehalten hat. 

Finanzstabilitätsbericht der EZB und der Bundesbank
Die EZB hat ihren Finanzstabilitätsbericht für November veröffentlicht und warnt davor, dass Investmentfonds und Versicherungen mehr Risiko bei ihren Investments eingehen, um Erträge zu erwirtschaften. Offensichtlich ist das auch ein Resultat der aktuellen Niedrigzinspolitik. Einen Tag nachdem der Finanzstabilitätsbericht der EZB auch der der deutschen Bundesbank. Und die warnt vor der zunehmenden Verwundbarkeit des deutschen Finanzsystems. Niedrige Zinsen und die Vergabe zunehmend auch riskanterer Kredite stellen ein Risiko für das gesamte System dar. Hinzu kommt, dass sich laut Claudia Buch, der Vizepräsidentin der Bundesbank, die Hinweise verdichten, dass Kreditrisiken unterschätzt und die Werthaltigkeit von Sicherheiten überschätzt werden.

Profi-Investoren fürchten Preisblasen
Die Anlageprofis bekommen regelrecht Platzangst, wenn es nach einer Umfrage von J.P. Morgan Asset Management geht. Wichtigstes Ergebnis: Die expansive Geldpolitik der Notenbanken ist aus Sicht von Profi-Investoren ein großes Risiko. Aber sie ist nicht deren einzige Sorge, wie die Umfrage zeigt. Als derzeit größtes Risiko für die Kapitalmärkte sehen professionelle Investoren – immerhin jeder Dritte ‑ die Gefahr, dass es aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfelds zu Preisblasen in einzelnen Marktsegmenten kommt. Eine Sorge, die laut JPM AM nicht ganz unberechtigt ist wie deren Kapitalmarktstratege Tilmann Galler erklärt. Niedrigzins und finanzielle Repression würden zum ständigen Begleiter, was immer mehr Anleger in die Aktienmärkte und andere, höher rentierliche Marktsegmente treibe.

Scope: Offene Immobilienfonds rentieren besser als Staatsanleihen
Die Ratingagentur Scope hat die durchschnittliche Rendite von offenen Immobilienfonds mit der Performance deutscher Staatsanleihen verglichen und stellt fest: Die Renditedifferenz zwischen offenen Immobilienfonds und deutschen Staatsanleihen befindet sich mit 3,8 Prozentpunkten auf einem sehr hohen Niveau, nur im ersten Quartal 2009 lag die Differenz höher. Die Gründe liegen laut Scope zum einen darin, dass die Renditen deutscher Staatsanleihen fortlaufend gesunken sind, seit 2015 sogar ins Negative. Zum anderen darin, dass sich die Renditen der offenen Immobilienfonds – vor allem getrieben durch Wertzuwächse bei Bestandsimmobilien – sukzessive erhöht haben. 

Die Immobilienpreise steigen weiter
Flossbach von Storch veröffentlicht den Vermögenspreisindex für Deutschland im 3. Quartal und schreibt: Immobilienbesitz ist Trumpf. Immobilienpreise steigen immer weiter – Grund dafür sei die steigende Vermögenspreisinflation. “Sowohl die Entwicklung der Vermögenspreise im Vermögensquerschnitt als auch im Altersquerschnitt zeigt, dass Haushalte, die über Immobilieneigentum verfügen am stärksten von der Vermögenspreisinflation profitieren”, so heißt es in dem Bericht.

Institutionelle Investoren ändern ihre Risikoakzeptanz bei Immobilien
Eine Investoren-Umfrage von Universal-Investment zeigt eine Verschiebung der Risikoakzeptanz institutioneller Investoren im Immobilienbereich. Während bisher Core-Immobilien immer im Fokus standen, sind mittlerweile Core-plus-Immobilien an erster Stelle. Thomas Körfgen, Geschäftsführer von Savills Investment Management, einem der führenden Immo-Investoren weltweit, führt aus: “Vergegenwärtigen wir uns die Merkmale von Core-Immobilien, also Immobilien, die langfristig vermietet sind, stabile Einnahmen erbringen und lediglich moderate Wertsteigerungen erwarten lassen. Demgegenüber stehen Value-Add Immobilien für Objekte mit Sanierungs-, Renovierungs- und Neupositionierungsmöglichkeiten, höheren Leerständen und der Möglichkeit einer signifikanten Wertsteigerung – dann allerdings gepaart mit einem wesentlich höheren Risiko.” 

Case of the Week: Peter Huber ist zurück
Eine Nachricht, über die sich schon viele gefreut haben: Der ehemalige StarCapital Fondsmanager Peter Huber ist zurück. Und zwar mit einer eigenen Website, auf der er jeden Monat einen Marktkommentar veröffentlicht. Zu diesem Marktkommentar bietet Huber einen eigenen Newsletter an. Unter www.huber-portfolio.de kann man sich anmelden.

Value vs. Growth
Der Vermögensverwalter HQ Trust hat eine Analyse zur Wertentwicklung von Value und Growth in unterschiedlichen Regionen durchgeführt und die Performance in vier Komponenten aufgeteilt: Gewinne, Bewertungsveränderungen, Dividende und Währung. Das Ergebnis: Growth hat in den vergangenen zehn Jahren deutlich besser abgeschnitten. Durch die Aufteilung wird deutlich, dass in allen Regionen der größte Anteil des Performanceunterschieds aus den Bewertungsveränderungen kommt. Value ist in allen Regionen günstiger geworden, Growth teurer. Auch interessant: Bei der Komponente Gewinnentwicklung lag Value entgegen den Erwartungen zumindest in den USA und in den Entwicklungsländern vorn und bei dem Faktor Dividende haben in allen Regionen die Growth Aktien besser abgeschnitten.

Eine EU-weite Einlagensicherung sorgt weiter für lebhafte Diskussionen
In den Chefetagen von Deutschlands Geldinstituten ist man sich weiter uneins in Bezug auf den jüngsten Vorschlag von Finanzminister Olaf Scholz zu einer gemeinsamen Einlagensicherung in Europa. Während sich die Deutsche Bank dafür ins Zeug legt, sind Genossen und Sparkassen nach wie vor strikt dagegen. “Es muss jeder für sich selbst wissen, ob man sich zufrieden gibt, im eigenen Vorgarten die Gartenzwerge zu zählen, oder ob man größer denkt”, lässt sich Karl von Rohr, Vize-Chef der Deutschen Bank in der Tageszeitung Die Welt zitieren. Unterstützung kommt auch von Bundesbank-Vorständin Sabine Mauderer: Zu einer echten Banken- und Kapitalmarktunion in Europa gehöre einfach auch eine gemeinsame Einlagensicherung, so Mauderer.

Umfrage: Vermittler halten nichts von Kosteninformationen
Seit Anfang 2019 müssen Banken, Finanzdienstleister und Vermögensverwalter jedes Jahr nach dem EU-weit gültigen MiFID II Standard alle Kosten ausweisen, die Investmentfonds oder strukturierte Produkte verursacht haben. Die Depotbank Ebase hat jetzt 137 Vermittler zu diesem Ex-Post Kostenblatt befragt und 50 Prozent gehen davon aus, dass ihre Kunden sowohl das Ex-ante- als auch das Ex-post-Kostenblatt gar nicht beachten, einige haben auch das Gefühl, dass die Informationen die Kunden verwirren.

Verband wettert gegen BaFin-Aufsicht über Finanzanlagenvermittler
Ende Juli hatten Finanz- und Justizministerium ein Eckpunktepapier zur Übertragung der Aufsicht über die Finanzanlagenvermittler auf die BaFin veröffentlicht. Der Votum Verband fordert jetzt, solche Pläne als unverhältnismäßig zu verwerfen. Aus Sicht des Verbands ist der Aufbau einer solchen kostenträchtigen zusätzlichen Behördeneinheit mit jährlichen Kosten von knapp 40 Millionen Euro durch nichts zu rechtfertigen. Es gebe derzeit im Bereich der gewerblichen Finanzanlagenvermittlung keine Missstände oder Skandale, die eine Veränderung des Aufsichtsmanagements zwingend erforderlich machen würden. Im Gegenteil, die Maßnahmen durch MiFID und das Inkrafttreten des Kapitalanlagegesetzbuchs hätten zu einer deutlichen qualitativen Verbesserung geführt, zu der insbesondere die nicht bankengebundenen Anlageberater und -vermittler ihren Teil beigetragen hätten. 

Onecoin-Geständnis
Der Bruder der Onecoin Gründerin Ruja Ignatova hat sich unter Anderem zu Geldwäsche und Betrug schuldig bekannt. Dieses Geständnis schützt ihn jetzt vor der Verfolgung weiterer krimineller Machenschaften bei Onecoin oder anderer Steuervergehen. Insgesamt drohen ihm allerdings 90 Jahre Haft. BBC hat vor Kurzem einen Podcast veröffentlicht, in dem die Autoren die Geschichte von Ruja Ignatova erzählen.

Neues zum bAV-Thema Doppelverbeitragung
Das Ministerium lobt die eigene Reform – ein Verbandsvertreter kann das nicht nachvollziehen. Betriebsrentner sollen ab 2020 entlastet werden. Personen, die Gelder aus einer betrieblichen Altersvorsorge (bAV) bekommen, müssen hierauf zwar weiter aus eigener Tasche den doppelten Beitragssatz – also Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil – von 15,6 Prozent an die Krankenkassen abführen. Dieser Betrag ist bislang mit einer Freigrenze bis 155,75 Euro verbunden, bei deren Überschreiten die 15,6 Prozent auf den gesamten Betrag fällig werden. Der ab 2020 geltende Freibetrag (159,25 Euro) bleibt hingegen bis zur Obergrenze immer abgabenfrei. Kritik kam vom Bundesverband pauschaldotierter Unterstützungskassen. Die Regelung sei nicht einmal halbherzig und fördere nicht gerade das ohnehin erschütterte Vertrauen in die betriebliche Altersvorsorge.

Wochenausblick
Der Dax hat letzte Woche mit 13 374 Punkten den höchsten Stand seit Januar 2018 erreicht. Es scheint, als wäre die Jahresendrally bereits angelaufen, so hat auch das Handelsblatt den Analysten Carsten Klude von Warburg Research zitiert. Die Berichtssaison ist langsam durch, es gibt wenig Neues von den Unternehmen und entsprechend erwartet Klude eine Fortsetzung dieses positiven Trends. Außerdem erwarten wir am Montag, also wenn der Podcast erscheint, auch den ifo Geschäftsklimaindex für November. Am Donnerstag werden wir erfahren, wie sich der Verbraucherpreisindex sich entwickelt hat. In den USA wird es die Woche wohl ruhig bleiben, denn am Donnerstag wird Thanksgiving gefeiert und am Freitag auch nur verkürzt gehandelt. Wir erwarten am Mittwoch allerdings die BIP Veröffentlichung aus den USA. JP Morgan erwartet eine Korrektur nach oben aufgrund von höherem Konsumwachstum im dritten Quartal.

Vergabe des FNG Siegels

Von der Vergabe-Feier des FNG Siegels werden wir nächste Woche berichten